Dolibarr ERP

Dolibarr ERP: Die Open-Source-Alternative für kleine Unternehmen in Deutschland

Dolibarr ERP: Die Open-Source-Alternative für kleine Unternehmen in Deutschland
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Was ist Dolibarr?

Wer ein kleines Unternehmen führt — ob Handwerksbetrieb, Dienstleister oder frisch gegründete UG — kennt das Dilemma bei der Wahl einer Unternehmenssoftware: Die großen Lösungen wie SAP oder Microsoft Dynamics sind für Betriebe mit fünf oder zehn Mitarbeitern überdimensioniert und zu teuer. Cloud-Dienste wie Lexware Office, sevDesk oder DATEV binden einen an monatliche Abos, die sich über die Jahre summieren. Und am Ende liegen die eigenen Geschäftsdaten auf fremden Servern.

Es gibt eine Alternative, die in Deutschland noch überraschend wenig bekannt ist: Dolibarr.

Dolibarr ist ein Open-Source-ERP- und CRM-System, das seit 2003 von einer internationalen Community entwickelt wird. Ursprünglich ein französisches Projekt, ist es heute eines der meistgenutzten freien ERP-Systeme weltweit — aktuell in Version 22.

„ERP" klingt nach Großkonzern, ist aber im Kern genau das, was auch ein Kleinunternehmer täglich braucht: Rechnungen schreiben, Kunden verwalten, Angebote erstellen, Zahlungseingänge prüfen, Lagerbestände im Blick behalten.

Technisch: schlank und flexibel

Dolibarr ist eine Webanwendung auf Basis von PHP und MariaDB/MySQL/PostgreSQL. Das bedeutet: Die Software läuft auf praktisch jedem Webserver — beim Hosting-Anbieter, auf dem eigenen Root-Server oder lokal auf dem Firmenrechner. Die Systemanforderungen sind bescheiden: PHP 8.0+, eine Datenbank und ein paar hundert Megabyte Speicher reichen aus.

Modularer Aufbau

Was Dolibarr von vielen Systemen unterscheidet, ist sein konsequent modularer Aufbau. Nach der Installation aktiviert man nur die Module, die man braucht: CRM, Rechnungen, Buchhaltung mit SKR03/SKR04, Lagerverwaltung, Projektverwaltung, Personalverwaltung — alles optional, alles per Klick. Über den DoliStore, einen offiziellen Marktplatz, stehen hunderte Zusatzmodule zur Verfügung.

Was kostet Dolibarr?

Zunächst ein verbreitetes Missverständnis: Open Source bedeutet offen, nicht kostenlos. Der Begriff steht dafür, dass der Quellcode frei einsehbar, veränderbar und weitergebbar ist — nicht dafür, dass alles drumherum umsonst sein muss. Im Englischen sorgt das Wort „free" für Verwirrung, weil es sowohl „frei" als auch „gratis" bedeuten kann. In der Open-Source-Welt gilt der Grundsatz: „Free as in freedom, not free as in beer."

Das Dolibarr-Grundsystem selbst steht unter der GPL-3-Lizenz und kann tatsächlich kostenlos heruntergeladen, installiert und kommerziell genutzt werden — ohne Lizenzgebühren und ohne Beschränkung der Nutzerzahl. Kosten entstehen beim Hosting (ein eigener Server oder ein Hosting-Anbieter), bei professionellem Support und bei Erweiterungsmodulen. Denn genau so funktioniert das Open-Source-Ökosystem wirtschaftlich: Das Fundament ist frei zugänglich, der spezialisierte Mehrwert darauf — etwa Module für den deutschen Markt — wird von Entwicklern erstellt und über den DoliStore oder eigene Webshops verkauft.

Zum Vergleich: Gängige Cloud-Buchhaltungslösungen kosten für kleine Unternehmen 15 bis 50 Euro monatlich. Über fünf Jahre summiert sich das auf 900 bis 3.000 Euro — nur für die Grundfunktionen, und ohne dass man den Quellcode jemals zu Gesicht bekommt.

Selbst hosten: Warum das mehr ist als eine technische Spielerei

Bei Cloud-Lösungen wie Lexware Office oder sevDesk liegen die Unternehmensdaten — Rechnungen, Kundendaten, Bankverbindungen, Verträge — auf fremden Servern. Man vertraut darauf, dass der Anbieter sie schützt, nicht verkauft und nicht morgen seine Preise verdoppelt.

Dolibarr kann man auf dem eigenen Server betreiben. Das ist kein Nischen-Feature für Technik-Enthusiasten, sondern hat ganz praktische Konsequenzen: Die Daten bleiben im eigenen Zugriff, man ist nicht an die Preispolitik eines Anbieters gebunden, und man kann das System nach eigenen Bedürfnissen anpassen — bis hin zum Quellcode. Gerade für Handwerksbetriebe und Dienstleister, die DSGVO-konform arbeiten wollen, ohne sich auf Auftragsverarbeitungsverträge mit Drittanbietern verlassen zu müssen, ist das ein echtes Argument.

Das Kontenrahmen-Problem: Worüber niemand spricht

Jetzt wird es konkret — und ehrlich. Denn hier liegt ein Problem, das weit über Dolibarr hinausgeht und das die meisten Anbieter lieber verschweigen.

Wer in Deutschland seine Buchhaltung ordentlich führen will, braucht einen DATEV-kompatiblen Kontenrahmen — in der Regel den SKR03 oder SKR04. Nicht eine „Light-Version", nicht eine „Auswahl der wichtigsten Konten", sondern den vollständigen Kontenrahmen, aus dem man die für sein Unternehmen benötigten Konten zusammenstellt. So funktioniert das System: Der Kontenrahmen ist die Vorlage, der individuelle Kontenplan die Auswahl daraus.

Und genau hier wird es bei vielen populären Cloud-Lösungen problematisch:

Lexware Office bietet nach eigener Aussage nur eine „schmale Version" des SKR03/SKR04 an. Laut einer externen Analyse stehen im SKR04 gerade einmal 262 Buchungskonten zur Verfügung. Eigene Konten anlegen? Nicht möglich — in keiner Version. Das reicht für einfache Geschäftsvorfälle, aber sobald man ein Konto braucht, das nicht in der Auswahl steht — beispielsweise für Reverse-Charge-Buchungen, erhaltene Anzahlungen oder gezeichnetes Kapital — steht man vor einer Wand.

sevDesk ist in dieser Hinsicht noch eingeschränkter. Eine unabhängige Analyse kam zu dem Ergebnis, dass nur rund 7,5 % der im SKR04 definierten Konten überhaupt auswählbar sind. sevDesk selbst räumt ein, dass der Kontenrahmen noch nicht vollständig ist. Das bedeutet im Klartext: Bestimmte Geschäftsvorfälle lassen sich schlicht nicht korrekt buchen.

BuchhaltungsButler schneidet hier deutlich besser ab und erlaubt die freie Erweiterung des Kontenplans.

DATEV Rechnungswesen ist naturgemäß der Goldstandard — hier kommt der Kontenrahmen her.

Und Dolibarr? Dolibarr liefert die vollständigen SKR03- und SKR04-Daten als SQL-Import mit. Der Kontenrahmen kann jederzeit frei erweitert und um eigene Konten ergänzt werden. Allerdings — und das soll hier nicht verschwiegen werden — gibt es aktuell bekannte Probleme beim Import: Der SKR04 wird bei manchen Installationen nicht vollständig geladen, und einzelne Konten sind nicht korrekt zugeordnet. Das ist ein Punkt, an dem aktiv gearbeitet wird. Der entscheidende Unterschied zu den Cloud-Lösungen ist aber: Bei Dolibarr handelt es sich um einen behebbaren technischen Fehler, nicht um eine bewusste Designentscheidung.

Wer seine Buchhaltung eigenständig und vollständig führen will — oder auch nur sauber vorbuchen möchte, bevor der Steuerberater übernimmt — sollte sich vor der Wahl einer Software sehr genau ansehen, wie vollständig der mitgelieferte Kontenrahmen tatsächlich ist.

Was Dolibarr für Deutschland noch fehlt

Dolibarr ist ein international ausgerichtetes System. Die Grundfunktionen funktionieren auch hierzulande. Aber sobald es an die Besonderheiten des deutschen Rechts geht, stößt die Standardversion an Grenzen:

Kein Jahresabschluss nach HGB — UG und GmbH brauchen Bilanz, GuV und E-Bilanz im XBRL-Format.

Kein strukturiertes Mahnwesen nach BGB — mit Verzugszinsberechnung nach § 288 BGB, B2B/B2C-Differenzierung und Mahnpauschale.

Keine E-Rechnung — weder XRechnung noch ZUGFeRD, obwohl seit 2025 im B2B-Bereich schrittweise Pflicht.

Keine deutsche Lohnabrechnung — Lohnsteuer, Sozialversicherung, ELSTER, DEÜV.

Kein Datanorm-Import — für Handwerksbetriebe in Elektro und SHK unverzichtbar.

Das sind keine Versäumnisse von Dolibarr — es ist die logische Konsequenz eines international entwickelten Systems. Genau dafür gibt es das Modulsystem und den DoliStore. Nur: Für den deutschen Markt findet man dort bisher wenig.

Was sich ändert

An genau diesen Lücken arbeiten wir. Aktuell befinden sich Module in verschiedenen Entwicklungsstadien:

  • Mahnwesen — mehrstufiger Mahnprozess nach BGB mit automatischer Verzugszinsberechnung. Verfügbar.
  • E-Rechnung — XRechnung 3.0 und ZUGFeRD nach EN 16931. In Entwicklung.
  • Jahresabschluss UG/GmbH — Bilanz, GuV, E-Bilanz nach HGB. In Entwicklung.
  • Datanorm Import — für die Elektro- und SHK-Branche. In Entwicklung.
  • Wartungsprotokolle — Dokumentation für Gebäudeautomation und MSR. In Entwicklung.
  • Lohnabrechnung — mit ELSTER-Integration. In Planung.

Alle Module werden vorrangig über unseren Webshop unter stamm-ug.de angeboten — dort finden sich auch die verschiedenen Lizenzoptionen. Kostenlose Demo-Versionen zum Ausprobieren stellen wir zusätzlich über den DoliStore bereit.

In den kommenden Beiträgen stellen wir jedes Modul im Detail vor — was es kann, welche rechtlichen Anforderungen es abdeckt und wie der aktuelle Stand aussieht.

Fazit

Dolibarr ist nicht für jeden die richtige Wahl. Wer eine fertige Lösung sucht, die sofort auf Deutsch „denkt", wird mit DATEV oder Lexware Buchhaltung schneller ans Ziel kommen.

Dolibarr lohnt sich für alle, die Wert auf Datenhoheit legen, die eine Lösung suchen, die langfristig mitwächst, ohne dass sich die Kosten multiplizieren — und die bereit sind, ein System aktiv einzurichten. Mit den richtigen Modulen für den deutschen Markt schließen sich die Lücken.

Eines steht aber schon jetzt fest: Wer bei den gängigen Cloud-Anbietern nicht einmal einen vollständigen Kontenrahmen bekommt, sollte sich fragen, wie ernst es diese Anbieter mit der deutschen Buchhaltung tatsächlich meinen.


Dieser Artikel ist der Auftakt einer Serie über Dolibarr im deutschen Geschäftsalltag. Im nächsten Beitrag geht es um das Thema E-Rechnung: Was sich seit 2025 geändert hat, was XRechnung und ZUGFeRD unterscheidet und wie die Umsetzung in Dolibarr funktioniert.

Haben Sie Erfahrungen mit Kontenrahmen in Cloud-Buchhaltungslösungen gemacht? Nutzen Sie Dolibarr bereits? Schreiben Sie uns einen Kommentar — wir freuen uns auf den Austausch.


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